In Wien wird am kommenden Sonntag weit mehr als nur der Bürgermeister und die städtische Verwaltung gewählt. Bei diesen Wahlen wird eine Haltung, ein Bekenntnis und eine Ideologie gewählt –und das, österreichweit.
Von diesen Wahlen hängt nicht nur die Stärke einer einzelnen Partei ab, sondern die politische Zukunft einer ganzen Nation. In Wien wird es sich daher zeigen, ob Österreich für Hetze, Geschmacklosigkeit und Respektlosigkeit, Intoleranz und Inkompetenz steht, oder aktiv gegen jede Form der Ungerechtigkeit kämpft und für die Werte der zweiten Republik steht. Es wird sich entscheiden ob der politische Diskurs der Fairness oder der, der Provokation bleibt.
Sollte, wie bei gewissen Umfragen behauptet, die SPÖ tatsächlich die absolute Mehrheit verlieren und die Grünen hohe Einbußen einstecken müssen, während gleichzeitig die FPÖ die zweitstärkste Kraft wird, wird sich in Österreich ein unerträglicher Rückgang und die Polarisierung des politischen Diskurses ausbreiten.
Medien werden immer strapazierbarer wenn es um die Verbreitung niveaulosen Inhaltes seitens politischer Akteure geht. Diese Tatsache erzwingt auch korrektere Botschaften immer öfter und offensiver in explosive Nachrichten umzugestalten. Parteien und Kandidaten die dann die Spielregeln der Medien nicht anerkennen und versuchen mit leiseren, respektvolleren Mitteilungen, inmitten des restlichen Getöses, durchzudringen, werden einfach ignoriert.
Auch innerhalb der Parteien die bis jetzt dezidiert gegen rechte Hetze standen, würden deren konservative, populistische Flügel gestärkt und es würde nur eine sehr homogene, dickflüssige, rechte Suppe überbleiben. Natürlich könnte man diesen Prozess irgendwann zurückdrehen. Rückwirkend kann man es aber nicht mehr machen und das ginge auf Kosten abertausender Kinder und Jugendlichen die keine Jobaussichten mehr hätten, aber auch auf Kosten von alten Menschen die mit ihren Pensionen nicht zurecht kommen würden. Das wäre ein viel zu langer Prozess, egal wie lange es dann auch halten würde.
Links wird immer links von der Mitte sein, wobei die Frage ist, wo genau die Mitte liegt. Es ist ein ganzes, politisches Spektrum das sich hier bewegt und je mehr zeit vorbeizieht desto mehr geht unsere Mitte Richtung rechts. Das gilt zu stoppen.
Am Sonntag haben wir die Möglichkeit, die Politik auszurichten. Jede Wienerin und jeder Wiener trifft eine Entscheidung, wählen gehen oder nicht? Jede dieser Entscheidungen wird ernsthafte Konsequenzen für Wien und ganz Österreich haben. Und diesmal, sogar mehr als die anderen Male, wird das „Nichtwählen“ nur die dunkelsten Kräften des Landes unterstützen. Also, wählen gehen!
Wen wählen? Die Grünen sind nett, keine Frage. Maria Vassilakou hat gute Themen und ist sehr strukturiert. Durchsetzungsvermögen, Einheit und eine Positionierung, mit der sich nicht nur eine sehr kleiner Teil der Bevölkerung identifiziert, fehlt ihrer Partei definitiv. Sie sind eine sehr ehrwürdige Opposition und Wien braucht sie. Diesmal brauchen wir aber die Roten mehr.
Wien braucht eine Partei, die für Gerechtigkeit, Toleranz und Solidarität steht. Eine Partei, die aus Wien die sozialste Stadt und den am besten dastehenden Wirtschaftsstandort in Österreich, sowie die lebenswerteste Stadt der Welt gemacht hat. Eine Partei die eine politische Einheit hat, die der Administration der Stadt Wien würdig ist und die stark genug ist, die rechten, neo-liberalen Kräfte zu stoppen. Wien braucht die Sozialdemokratie!