Gerade macht in Facebook ein Video von Roland Düringer die Runde. Kernbotschaft: „Wir sind wütend“.
„Wir sind wütend, ziemlich wütend, weil diese Polit-Marionetten offenbar ihre Aufgabe vergessen haben. Nämlich uns, der Gemeinschaft, zu dienen!“
Ja, ich bin auch wütend. Ebenfalls wegen der systemischen Unfähigkeit der Politik. Wegen einem System, in dem Leute nur nach ihrer Produktivität im Bezug auf Geld und nicht nach ihrem Charakter beurteilt werden. Wegen einem Bildungssystem, welches nicht dazu da ist, unsere persönlichen Träume zu erreichen, sondern dafür, dass wir in Zukunft noch mehr konsumieren können.
Trotzdem, bei all meiner Wut, hatte ich das Gefühl, dass mir etwas in Düringers Botschaft fehlte. Vielleicht, weil ich nicht zu all jenen gehöre, „die nicht verstehen können, dass die Zehn Gebote Gottes aus 279 Wörtern bestehen […] und die EU-Verordnung über den Import von Karamell-Bonbons [aus] 25911 Wörter bestehen muss“. Ich meine, die Zehn Gebote sind ja nicht gerade deswegen berühmt, weil sie noch nie ein Missverständnis erzeugt haben. Oder?
Oder vielleicht deswegen, weil mir gesagt worden ist, man soll keine Entscheidungen treffen, wenn man wütend ist. Das sind nämlich meistens dumme Entscheidungen.
Vielleicht einfach nur deswegen, weil ich mich nicht als laufenden Hamster sehe. Vielleicht bin ich einer von all jenen, die durch ihre Arbeit – die zugegeben sehr selten unser Berufung ist – die Welt ein bisschen besser zu machen versuchen.
Wir sind nämlich all jene, die ein „alle machen es so“ nicht akzeptieren. Wir studieren, weil es Spaß macht und arbeiten, weil wir einen Beitrag zu unserer Gesellschaft leisten wollen. Wir sind all jene die mit einem Lächeln für den Kunden, einem freundlichen Wort für einen Unbekannten und mit Ehrlichkeit im Geschäft dem System entgegen wirken. Wir sind all jene die glauben, Sachen werden nicht besser weil man sie kritisiert, sondern weil man sie ändert.
Und mit unserer Stimme möchten wir mehr als nur schreien können. Wir möchten überzeugen, bewegen, motivieren, lieben, mitbestimmen und kreieren. Wir möchten eine bessere Welt und das, was wir sagen ist einfach: Wir tun’s!
Update: Robert Düringer im Interview mit dem Standard. Wie er das wirklich gemeint hat:
http://derstandard.at/1323222849546/Hamsterrad-Das-System-ist-am-Ende